Zuverlässigkeit und Resilienz – das Rechenzentrum der Zukunft

Rechenzentren sind heute Teil der geschäftskritischen Infrastruktur. Um Ausfälle zu vermeiden, entwickeln immer mehr Betreibende zusammen mit Versicherungsunternehmen effektive Schutzstrategien.
Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen Technologie – und ihr Ausbau schreitet rasant voran, angetrieben durch die Nachfrage nach Cloud-Computing und KI. In einem aktuellen Bericht wird das durchschnittliche Wachstum bis zum Jahr 2030 auf 8,5 % pro Jahr geschätzt. Die tatsächliche Entwicklung könnte diesen Wert noch übertreffen.
Der private und der öffentliche Sektor sind mittlerweile fast vollständig auf Rechenzentren angewiesen. Um deren Zuverlässigkeit zu gewährleisten, ist die Einhaltung höchster Standards unverzichtbar geworden: von der Konzeption über den Betrieb bis hin zur Wartung. Ausfälle legen nicht nur den Betrieb lahm, sondern sind auch mit hohen Kosten verbunden – sowohl für Unternehmen als auch für Service Provider. Obwohl die Anzahl der Vorfälle generell sinkt, steigen die Kosten im Zusammenhang mit Betriebsunterbrechungen. Die diesjährige Umfrage des Uptime Institute hat ergeben, dass jeder fünfte Ausfall Kosten in Höhe von über 1 Mio. USD verursacht.
Ausfälle, die durch eine Störung der Kühlung ausgelöst werden, wie dies im Sommer 2022 während einer Hitzewelle in London der Fall war, können Unannehmlichkeiten verursachen, der Reputation schaden und für Unternehmen im Finanzsektor auch rechtliche Risiken bergen, etwa mangelnde Compliance mit der DORA-Verordnung (Digital Operational Resilience Act: EU-Verordnung über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor).
Ein stärkeres Sicherheitsnetz
Sach- und Anlagenschäden sowie Schäden durch Betriebsunterbrechungen an einem Standort können sich im Rahmen gegenseitiger Haftungsansprüche auf mehrere Hundert Millionen USD belaufen. Deshalb setzen einige Versicherer ihre Expertise gezielt ein, um die Infrastruktur ihrer Kunden zu analysieren und auf dieser Basis ihre Resilienz zu stärken. Dazu gehört eine umfassende Risikobewertung, in die zahlreiche Faktoren mit einfließen, zum Beispiel die Standortwahl, Bauqualität, Zuverlässigkeit der Anlage in Bezug auf Kühlung und Brandschutz, aber auch Netzwerkstabilität sowie Cyber- und physische Sicherheit.
FM, einer der weltweit führenden Industriesachversicherer, versichert Rechenzentren seit über 25 Jahren. Derzeit bietet FM Schutzkonzepte für rund 1.100 Rechenzentren mit einem Versicherungswert von insgesamt 250 Mrd. USD. Im Mai 2025 kündigte der Versicherer die Initiative „FM Intellium“ an, um Kunden durch seine langjährige Expertise in den Bereichen Rechenzentren und Stromerzeugung zu unterstützen. Im Rahmen von FM Intellium führte FM eine virtuelle Ressourceneinheit ein, über die bei Bedarf Expert*innen hinzugezogen werden können. So ist eine schnelle Reaktion auf Anfragen möglich – egal an welchem Standort. „Unser Ansatz beruht zu einem erheblichen Teil auf Partnerschaft“, erklärt Adrian Oxley, Principal Engineer, Semiconductor/Digital bei FM. „Wir arbeiten langfristig mit unseren Kunden zusammen, um Risiken zu reduzieren. Wir wollen aber auch von ihnen lernen, weil sich die Branche rasant verändert: Unser Ziel ist es, dem schnellen Wachstum immer einen Schritt voraus zu bleiben“.
Während regelmäßig neue Richtlinien zur Schadenverhütung und bewährte Praktiken für geschäftskritische Systeme und Anlagen eingeführt werden, entstehen neue Gefährdungen durch Hyperscaling. Ein Beispiel hierfür ist das Risiko eines thermischen Durchgehens bis hin zur Explosion, das mit Batteriesystemen zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) einhergehen kann. Für einen Hyperscaler, ein Finanzunternehmen oder eine Fluggesellschaft hat ein Brand oder ein Batteriedefekt potenziell verheerende Folgen auf den Geschäftsbetrieb. „Server in Rechenzentren verarbeiten Millionen von Transaktionen“, so Paul Heisel, AVP, High-Hazard Occupancy Specialist und Principal Underwriter für Rechenzentren bei FM. „Eine Unterbrechung dieser Transaktionen kann immense Kosten verursachen.“
Im Fokus: der wachsende Strombedarf
Zuverlässige Stromversorgung ist mittlerweile eine Grundvoraussetzung für die Klassifizierung von Rechenzentren nach Tier-Stufe. Doch der Strombedarf wird bis zum Jahr 2030 um 160 % zunehmen, wie eine Schätzung von Goldman Sachs ergeben hat. Die Gründe hierfür sind der Ausbau von Rechenzentren und die wachsende Nachfrage nach KI. Die Tatsache, dass Strom für den Betrieb von Rechenzentren aus städtischen und landesweiten Netzen bezogen wird, löst aktuell bereits kontroverse Diskussionen aus. „In naher Zukunft ist der Bau ausgedehnter Anlagen geplant, die große Mengen an Strom benötigen – manche bis zu fünf Gigawatt“, berichtet Oxley. „Es ist möglich, dass Rechenzentren ihren Strom in fünf bis sechs Jahren aus kleinen, modularen Kernreaktoren beziehen werden. Deshalb befassen wir uns bereits intensiv mit diesem Thema.“
Angesichts der zunehmenden Komplexität stellen sich Versicherer darauf ein, ihre Kunden schon in der Planungsphase zu unterstützen – vor allem bei modularen und maßgeschneiderten Konzepten. FM wurde bereits für mehrere Projekte ab der Beschaffungsphase konsultiert. In diesem Zusammenhang überprüft der Versicherer die Konzeption der Rechenzentren und empfiehlt geeignete Sicherheitsmaßnahmen. „Was Rechenzentren im Moment brauchen, ist Kapazität“, so Heisel. „Beim Underwriting berechnet FM den theoretischen Höchstschaden, sodass Kunden das maximale Risiko an einem bestimmten Standort einschätzen können. Zu diesem Zweck bewerten unsere Ingenieur*innen die Konstruktion und alle Aspekte der Planungs- und Bauweise.“
Der Trend geht zum schnellen Ausbau von Kapazitäten, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden und die Rentabilität (ROI) zu steigern. Doch damit gehen neue Risiken einher, sodass ein externer Partner mit fundierter Expertise unverzichtbar wird. An dieser Stelle kommen Versicherer zum Einsatz, die als solides Sicherheitsnetz fungieren können.
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