FM: Unzulänglichkeiten im Risikomanagement erschweren Umstieg auf erneuerbare Energien
FRANKFURT AM MAIN / JOHNSTON, R.I., USA, 16. April 2025 – Aus neusten Umfragen des Industriesachversicherers FM geht hervor, dass Erneuerbare-Energien-Projekte und die weltweite Energiewende unmittelbar von Resilienz abhängen. Der Schutz vor Naturgewalten, Anlagenausfällen und Betriebsunterbrechungen erhält damit einen zentralen Stellenwert.
Es ist zu erwarten, dass sich der weltweite Strombedarf bis 2050 verdoppeln wird. Von entscheidender Relevanz: Der Ausbau des Energiesektors sowie dessen Fähigkeit, umfangreich auf erneuerbare Energien umzustellen. Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge werden zwischen 2024 und 2030 mehr als zusätzliche 5.500 Gigawatt aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt – ein Anstieg um fast das Dreifache im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2023.
Diese Fortschritte und die damit verbundenen Klimavorteile könnten jedoch durch Hagel, Feuer, Wind und Anlagenausfälle – bedingt durch technische Unzulänglichkeiten – schnell gebremst werden. Aus der jüngsten Umfrage von FM, in der 650 Führungskräfte und Finanzierende aus dem EE-Bereich befragt wurden, geht hervor, dass auf erneuerbare Energiequellen setzende Energieversorgungsunternehmen die Resilienz ihrer Projekte unter Beweis stellen müssen, um Anreize für die Finanzierung zu schaffen, Versicherungsschutz für Ausfälle sicherzustellen und profitabel zu wirtschaften.
Die Umfrage belegt:
Es ist eine deutliche Bereitschaft hinsichtlich Investitionen zum Ausbau in die Erneuerbare-Energien-Infrastruktur erkennbar.
- 97 % der Versorgungsunternehmen im Bereich Solarenergie beabsichtigen eine Erhöhung ihrer Kapazitäten innerhalb der nächsten drei Jahre.
- 95 % der Unternehmen, die Onshore-Windkraftanlagen betreiben, intendieren einen Ausbau ihrer Möglichkeiten.
- 73 % der Finanzierenden beabsichtigen höhere Investitionen in Infrastrukturprojekte.
Dennoch ist die Versorgung auch bei hinreichendem Kapital begrenzt. So gaben 64 Prozent der Kreditgebenden und 58 Prozent der Investierenden an, dass die Finanzierungsnachfrage das Angebot übersteigt.
Sorgen und Bedenken variieren.
Versorgungsunternehmen, die auf erneuerbare Energien setzen, nennen als häufigste Risiken während der Bauphase steigende Kosten von Maschinen und Anlagen (44 %), regulatorische und behördliche Verzögerungen (41 %) sowie Unterbrechungen der Lieferkette (40 %). Während der Betriebsphase zählen zu den signifikantesten Risiken witterungsbedingte Schäden (54 %), Ausfall von Stromerzeugungsanlagen (50 %) sowie Lieferkettenunterbrechungen bei Ersatzteilbestellungen (48 %).
Die Mehrheit der Finanzierenden gibt an, dass ihre Investitionsbereitschaft in direktem Zusammenhang mit der Resilienz eines Projektes steht (66 %). Zudem hat die jeweilige Resilienz Einfluss auf Projektbewertungen (69 %) und die angebotenen Konditionen (72 %).
Unzulänglichkeiten bestehen auch weiterhin.
Die meisten EE-Versorgungsunternehmen (59 %) sind von der Resilienz ihrer Projekte überzeugt. Dennoch geben sie fehlende Einblicke in relevante Technologie- und Umweltaspekte an.
- Zu den häufigsten Unsicherheitsfaktoren gehören:
- Fehlende Transparenz seitens der Anlagenherstellenden (57 %)
- Unzureichendes Verständnis hinsichtlich Umweltfaktoren (53 %)
- Tempo des Technologiewandels (47 %)
Unsicherheiten treiben Kosten in die Höhe und bedingen verringerte Verfügbarkeit von Versicherungsschutz.
- Unklarheit in Bezug auf Resilienz gegenüber bestimmten Risiken bedingt:
- Erhöhte Baukosten (52 %)
- Ansteigende Versicherungskosten (47 %)
- Lückenhafte Versicherung von Projekten (44 %)
Die Mehrheit aller Geldgebenden (53 %) geht davon aus, dass im Rahmen entsprechender Projekte während der Bauphase auf Risikobewertungen durch Drittunternehmen zurückgegriffen werden muss, wobei 48 % erwarten, dass während des Betriebs externe Ingenieurinnen und Ingenieure hinzugezogen werden.
„Energieversorgungsunternehmen nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen bestmöglich; dennoch benötigen sie dringend weitere Einblicke in die erforderlichen Technologien und Umweltfaktoren, die diese bedrohen“, führt Doug Patterson aus, Senior Vice President, Forest Products and FM Renewable Energy bei FM. Patterson erläutert, dass FM verschiedenste Engineering-Analysen und Forschungsarbeiten zu umweltbezogenen Aspekten durchführt, die der Branche detaillierte Informationen bieten – insbesondere in der Projektentwicklungsphase, in der sie am aufschlussreichsten sind.
Erhalten Energieversorgungsunternehmen während der Planungs- und Bauphase Unterstützung im Bereich Risikomanagement, bietet sich ihnen die Gelegenheit, mit Versicherungsunternehmen zu interagieren. So können sie rasch die Kapazitäten und Deckungen erhalten, die sie für die Realisierung ihrer Projekte benötigen. Weiterhin belegt die Umfrage von FM, dass das Hinzuziehen von Expertinnen und Experten auf dem Gebiet Risk-Engineering in der Konzeptionsphase eines Projekts Versorgungsunternehmen bei der Kostensenkung und der Erhöhung der betrieblichen Zuverlässigkeit unterstützen kann.
Patterson betont, dass die entsprechenden Vorarbeiten von ähnlicher Bedeutung sind wie einschlägige Deckungen. „Wenn ausschließlich auf Versicherungsschutz gesetzt wird, ist die gesamte Tragweite der Angelegenheit nicht bekannt“, so Patterson.
FM führte 2024 mit FM Renewable Energy einen neuen Geschäftsbereich ein, um Kunden mit Forschung und Innovation beim Umstieg auf alternative Energiequellen zur Seite zu stehen und die Weiterentwicklung der Erneuerbare-Energien-Branche insgesamt zu fördern.
FM Renewable Energy konzentriert sich auf die Forschung, Ausarbeitung von Standards und das technische Know-how zur Schadenverhütung rund um Solarparks und Onshore-Windkraftanlagen mit hoher Leistung (utility scale) sowie entsprechende Batterie-Energiespeichersysteme (BESS). Seit 70 Jahren unterstützt FM Unternehmen aus diesen und vielen anderen Energiesektoren, zum Beispiel bei der Energiegewinnung aus Wasserkraft, Biomasse und Abfällen. FM bietet Versicherungspolicen für den Betrieb von Erneuerbare-Energien-Anlagen in den USA und im EMEA-Raum.
Die von FM in Auftrag gegebene Online-Befragung wurde im August und September 2024 durchgeführt und umfasst 650 Antworten von Führungskräften und Finanzierenden im EE-Bereich, die in Nord- und Südamerika, im Vereinigten Königreich sowie in Europa und Asien tätig sind. Zum vollständigen Bericht: https://www.fm.com/de/insights/renewable-report-download
Über FM
FM ist ein führender Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und wurde vor fast zweihundert Jahren gegründet. Seit nahezu fünfzig Jahren verfügt das Unternehmen über eine Niederlassung in Deutschland. Das Kapital, die wissenschaftliche Forschung und das umfangreiche Fachwissen der Versicherung im Bereich Engineering dienen ausschließlich dem Risikomanagement und der Resilienz der Kunden des Unternehmens, die zugleich Miteigentümer von FM sind. Sie teilen dessen Meinung, dass die meisten Schäden vermeidbar sind. Zu den Versicherungsnehmern zählen viele der weltweit größten Organisationen, u. a. ein Viertel der Fortune-500-Unternehmen. Sie kooperieren mit FM, um ein besseres Verständnis für die Gefahren zu erlangen, die ihren Geschäftsbetrieb beeinträchtigen könnten, und um kosteneffektive Entscheidungen in Bezug auf ihr Risikomanagement treffen zu können, die auf einer Kombination aus Schadenverhütung und Versicherungsschutz beruhen.