Rechenzentren, KI-gestützte Erkenntnisse und anhaltende Handelsunsicherheit: Sieben FM Prognosen für 2026

Mit einem neuen Jahr eröffnen sich neue Chancen – zugleich wachsen die Herausforderungen für Unternehmen, die sich bereits heute mit schnell wandelnden Risiken auseinandersetzen.
Bei FM ist es unsere Aufgabe, Risiken frühzeitig zu erkennen – damit unsere Kunden fundierte und sichere Entscheidungen treffen können. Vor diesem Hintergrund haben wir FM‑Expert*innen um ihre Einschätzungen für 2026 gebeten – von künstlicher Intelligenz über Wetterextreme bis hin zu globalen Handelskonflikten.
KI gewinnt weiter an Dynamik
Künstliche Intelligenz beschleunigt den Bau neuer Rechenzentren – und erhöht den weltweiten Energiebedarf. Für 2026 erwartet Lou Gritzo, Ph.D., Chief Science Officer von FM, dass Technologieunternehmen und Energieversorger „ihre Anstrengungen deutlich intensivieren müssen, um ausreichende Stromkapazitäten sicherzustellen” – unabhängig von der jeweiligen Erzeugungsform.
Anhaltende Nachfrage und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen steigern die Attraktivität erneuerbarer Energieprojekte. Gleichzeitig nimmt auch die Unterstützung für kleine modulare Kernreaktoren zu.
FM stärkt Resilienz überall dort, wo KI‑Infrastruktur aufgebaut wird. Gritzo: „Bei FM unterstützen wir unsere Kunden dabei, resiliente Rechenzentren ganzheitlich zu gestalten und zu betreiben – von Auslegung und Bau über Stromerzeugung und Betrieb bis hin zu Risikotransfer und gesellschaftlicher Verantwortung.“
Das Jahr, auf das Entscheider*innen gewartet haben
Pentti Tofte, FM Senior Vice President Innovation, Analytics and AI, gibt eine weitere Prognose ab: „2026 wird das Jahr der Unternehmensresilienz – insbesondere für unsere Kunden.“
Unter Unternehmensresilienz versteht FM die Fähigkeit, Störungen unterschiedlichster Art erfolgreich zu bewältigen – darunter Brände, Geräteausfälle, Hochwasser, Stürme, Hagel, Waldbrände, Frost und Schneeeinstürze. Durch die systematische Erfassung und Bündelung dieser Risiken können Unternehmen ihre Schadenverhütungsmaßnahmen klar priorisieren und sich auf jene Gefährdungen konzentrieren, die den größten Einfluss auf ihr Geschäft haben.
Um ein datenbasiertes Risikomanagementprofil zu entwickeln, hat FM über Jahrzehnte hinweg mehr als eine Milliarde Datenpunkte erfasst – gewonnen aus weltweiten Einsätzen seiner Ingenieur*innen, aus wissenschaftlicher Forschung und aus Schadenhistorien. Weitere Daten stammen aus Tests auf dem FM Research Campus in West Glocester, Rhode Island. Dort werden sie von FM Wissenschaftler*innen ausgewertet, in der Praxis von FM Ingenieur*innen angewendet, durch Kundenerfahrungen ergänzt und anschließend mithilfe von KI analysiert.
FM hat im FM Resilience Index umfassende, länderspezifische Daten zur Resilienz globaler Geschäftsstandorte zusammengeführt – ein entscheidendes Instrument in einer Zeit anhaltender Handelsunsicherheit, die sich voraussichtlich weiter fortsetzen wird.
„2026 haben Unternehmen erstmals Zugang zu leistungsstarken KI-Tools, mit denen sie ihre Schwachstellen klar erkennen und ihre Resilienzstrategie gezielt planen können“, so Tofte. Anstatt Prioritäten ohne fundierte Grundlage festzulegen, stützen Unternehmen ihre Investitionen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, Engineering-Expertise und praxisnahe Daten. Das entspricht der Art von Business Intelligence, die Führungskräfte seit Langem fordern.“
Vielfältige Lieferkettenszenarien
Handelsunsicherheiten bleiben auch 2026 ein zentrales Thema, da die Reaktionen der Unternehmen auf die eingeführten Zölle zunehmend spürbar werden. Profitieren werden vor allem jene Unternehmen, die selbst ungewöhnliche Entwicklungen vorausschauend in ihre Planung einbeziehen – einschließlich möglicher Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs der USA zu bestehenden Abgaben.
„2026 ist Agilität in der Lieferkette ein entscheidender Wettbewerbsvorteil in diesem volatilen Umfeld“, so Eric Jones, FM Vice President, Global Manager, Business Risk Consulting. „Wir beobachten, dass führende Unternehmen ihre Flexibilität weiter stärken – durch neue Multisourcing‑Ansätze, gezieltes Onshoring und das systematische Durchspielen möglicher Szenarien und ihrer Folgewirkungen, gemeinsam mit allen relevanten Stakeholdergruppen und dem Risk Management.“
In Kombination mit der Inflation verstärkt der durch Zölle verursachte Kostendruck ein weiteres zentrales Risiko: Viele Unternehmen sind unterversichert. Einige Unternehmen halten so hohe Materialbestände, dass diese die Entschädigungsgrenzen überschreiten; bei anderen sind die Werte der Vermögensgegenstände inzwischen deutlich gestiegen. Hinzu kommt, dass Unternehmen zunehmend neue Risiken eingehen – etwa durch die Zusammenarbeit mit bislang unbekannten Lieferanten in Regionen mit teils nicht klar erkennbaren Geschäftsrisiken.
Schwellenländer stärken ihre Resilienz
„2026 setzen Unternehmen mit Aktivitäten in dynamischen Schwellenländern verstärkt auf höhere Standards der betrieblichen Resilienz“, so Dr. Angelika Werner, Research Director of Natural Hazards and Climate von FM.
„Laut unserem Natural Hazard Report sind Führungskräfte oft nicht so gut auf disruptive Ereignisse vorbereitet, wie sie es gern wären.“, erklärt sie. „FM treibt in diesem Jahr die Verbesserung der Modellqualität für Hochwassergefahren in Ländern wie Brasilien und Indien voran. Dabei prüfen wir den Einsatz von Technologien wie Drohnen, Flugzeugen und Satellitenaufklärung, um lokale Auswirkungen auf Sachwerte besser zu erfassen. Derzeit mangelt es diesen Regionen häufig an ausreichend detaillierten Daten zu Gelände und Niederschlägen, die in den Vereinigten Staaten und Europa problemlos verfügbar sind.
Auch 2026 baut FM seine KI-gestützte Modelllandschaft für Klimarisiken weiter aus. Damit kann FM Modelle für Wetterextreme entwickeln, die Mehrfachgefahren abbilden und Aktivitätsmuster berücksichtigen. FM Kunden befassen sich zunehmend mit den sich verändernden Risiken infolge von Wetterextremen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu zukunftsfähigen Risikobewertungen.
Versteckte Risiken nehmen zu
„2026 nehmen Risiken zu, die aus Bau- und Technologieinnovationen resultieren“, so Stuart Keller, FM Chief Engineer.
Er nennt folgende Beispiele:
- Vollautomatisierte Lagerhäuser, die primär für den Einsatz von Robotern und nicht für Menschen ausgelegt sind. Die Lithium-Ionen-Batterien der Roboter stellen neue Zündquellen dar, während dicht gepackte Lagerhallen für die Feuerwehr nur schwer zugänglich sind.
- Zweischalige Außenwände mit brennbarer Dämmung in den Hohlräumen. Wird die Dämmung entzündet, wirken die Hohlräume wie Brandkanäle, die ein schnelles Ausbreiten von Bränden begünstigen und die Brandbekämpfung erschweren.
- Massivholz, ein beliebtes nachhaltiges Baumaterial, dessen Brennbarkeit und Anfälligkeit für Feuchtigkeitseintritt zentrale Risikofaktoren darstellen.
- Risiken in Datenhallen, etwa durch Notstromaggregate, Flüssigkeitskühlung, hohen Strombedarf, großskalige Anlagen und teilweise beschleunigte Bauzeiten.
- Eine auf digitalen Zwillingen basierte vorausschauende Instandhaltung, die in Einzelfällen unbeabsichtigt zu einem erhöhten Risiko von Anlagenausfällen führen kann.
„Die meisten dieser Innovationen bieten klare Vorteile, etwa Kosteneffizienz, Zeitersparnis oder Nachhaltigkeit“, so Keller. „Bereits in der Konzeptions- und Auslegungsphase können zentrale architektonische und produktbezogene Entscheidungen das Risiko schwerwiegender Betriebsunterbrechungen erhöhen. FM unterstützt Kunden dabei, die Vorteile von Innovationen zu nutzen und die damit verbundenen Risiken gezielt zu minimieren.“
Menschen steuern und überprüfen KI‑Ergebnisse
„2026 praktizieren vorausschauende Unternehmen das, was ich als den bewussten Einsatz von KI bezeichne“, prognostiziert Laurel Rudnick, Chief Underwriting Officer von FM.
Bei FM wird KI so eingesetzt, dass sie kontextbezogen wertvolle, detaillierte und unmittelbar umsetzbare Erkenntnisse liefert – sowohl intern als auch für Kunden. Dazu gehört etwa eine priorisierte, objektspezifische Liste von Schadenverhütungsmaßnahmen, die Kunden dabei unterstützt, sich gezielt auf die wahrscheinlichsten und schwerwiegendsten Störungen vorzubereiten. „Der bewusste Einsatz von KI ermöglicht es, Risiken innerhalb eines heterogenen Risikopools über mehrere Versicherungsorte hinweg gezielt voneinander abzugrenzen“, so Rudnick. „Keine generischen Standardinformationen mehr.“
Das Gegenteil des bewussten KI-Einsatzes ist ein unreflektierter Umgang mit KI, bei dem allgemeine Informationen ungeprüft übernommen werden. Werden zu viele unterschiedliche Daten stark zusammengefasst, gehen wichtige Nuancen verloren. Die Ergebnisse werden vereinfacht und liefern kaum noch eine belastbare Grundlage für differenziertes Handeln.
„Unsere Tools sind so konzipiert, dass sie den Kontext der Fragestellungen von Außendienstingenieur*innen und Kunden verstehen und die passenden Forschungsergebnisse oder Richtlinien bereitstellen – als Grundlage für durchdachte menschliche Entscheidungen“, so Rudnick. „Wir wollen keine einzelne, unbelegte Antwort, sondern belastbare Daten, die fundierte Entscheidungen ermöglichen.“
Das Wort des Jahres lautet … ‚Kapazität‘
„2026 ist mit einem Engpass bei den Versicherungskapazitäten zu rechnen“, prognostiziert Chris Dempsey, Senior Vice President von FM Intellium. Die verfügbare Versicherungskapazität – die Fähigkeit eines Versicherers, potenzielle Schäden zu decken – ist nach dem Strombedarf der zweitwichtigste Faktor, der den Ausbau von Rechenzentren bremsen könnte. „Bei einem Gesamtanlagewert von beispielsweise 10 Mrd. USD für ein Hyperscale‑Rechenzentrum wird deutlich, wie anspruchsvoll es ist, wenn ein einzelner Versicherer diese Kapazität für einen potenziellen Schadenfall allein bereitstellen muss.“
FM begegnet dieser Herausforderung aktiv – mit Engineering‑basierten Finanzmodellen und konsequenter Schadenverhütung sowie durch strategische Partnerschaften mit Investor*innen, Rückversicherern, Regulierungsbehörden, politischen Entscheidungsträgerinnen und Technologieunternehmen aus der Branche.
FM hat kürzlich eine deutliche Ausweitung der Kapazitäten bekannt gegeben, um seine globalen FM Intellium Kunden sowie das Daten- und Stromerzeugungs-Ökosystem noch besser zu unterstützen.
2026 legen Rechenzentren verstärkt nicht nur Wert auf Rechenleistung, sondern auch auf die Qualität ihrer Services. Ununterbrochene Verfügbarkeit ist entscheidend für jedes Tech‑Unternehmen, das seine KI als die intelligenteste und robusteste der Welt positionieren möchte.
Der FM Ansatz – Unterstützung im gesamten Prozess, von der Planung über den Bau und Betrieb bis hin zum gesamten digitalen Ökosystem – bringt Investierende, Entwickelnde und Betreibende zusammen. Ziel ist es, Auslegungsstandards zu definieren, die Risiken wie Brand, Wetterextreme, Stromausfall und andere vorhersehbare Gefahren berücksichtigen.
Unvorhersehbare Ereignisse bleiben ein Risikofaktor
Dies sind nur einige der Entwicklungen, die FM Expert*innen für 2026 erwarten. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass im kommenden Jahr auch größere, schwer vorhersehbare Ereignisse eintreten könnten. Ganz gleich, was kommt – FM steht Kunden verlässlich zur Seite.