Gemeinsame Ziele im technischen Brandschutz
Dieser Artikel erschien erstmalig in der Quartalsausgabe des s+s report 03/2026.

VdS und FM verbindet eine lange gemeinsame Geschichte im technischen Brandschutz. Beide Organisationen verfolgen das Ziel, Sachschäden und Betriebsunterbrechungen durch wirksame Präventionsmaßnahmen zu vermeiden. Im Gespräch erläutern Frank Bieber und Ludger Tegeler, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt hat, welche Rolle qualifizierte Errichter spielen und warum technische Qualität für Betreiber, Versicherer und Planer gleichermaßen wichtig ist.
s+s report: Welche Erfahrungen hat VdS in der Vergangenheit mit den FM Anforderungen an Löschanlagen gesammelt?
Frank Bieber (VdS): Wenn man über VdS spricht, lohnt sich tatsächlich ein Blick zurück. Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1908 zur damaligen Sprinklerüberwachungsstelle zurück. Schon damals ging es um die Frage, wie sich die Qualität und Zuverlässigkeit von Sprinkleranlagen dauerhaft sicherstellen lassen.
Aus dieser Entwicklung ist über viele Jahrzehnte das entstanden, was VdS heute ausmacht: Wir entwickeln technische Regeln, prüfen Produkte und Systeme und zertifizieren Errichter. Unser Ziel ist dabei unverändert geblieben - Brandschutzanlagen sollen im Ernstfall funktionieren und über ihre gesamte Lebensdauer zuverlässig bleiben. Seit 1997 bietet die VdS Schadenverhütung diese Leistungen als eigenständige Organisation an.
Ludger Tegeler (FM): Auch bei FM reichen die Wurzeln weit zurück. Unsere technische Arbeit im Brandschutz und in der Schadenverhütung begann bereits im 19. Jahrhundert. Forschung, Risikobewertung und die Entwicklung technischer Standards prägen unsere Arbeit bis heute.
Interessant ist dabei der Blick nach Europa. Bereits 1868 wurde in Großbritannien das Fire Offices Committee gegründet. Es veröffentlichte 1888 eine der ersten europäischen Sprinklerrichtlinien. Betrachtet man die Entwicklung bis heute, erkennt man eine bemerkenswerte Kontinuität - von den FOC Rules über die CEA 4001 und die EN 12845 bis hin zur heutigen VdS CEA 4001. Viele Grundprinzipien moderner Sprinklerrichtlinien haben dort ihren Ursprung.
Frank Bieber (VdS): Zum ersten Mal sind VdS und FM bei gemeinsamen Brandversuchen enger miteinander in Kontakt gekommen. Untersucht wurde damals die Wirksamkeit einer Sprinkleranlage ohne Schaummittelzumischung bei der Blocklagerung von Kunststoff-Kleinladungsträgern auf Holzpaletten. Seitdem gibt es einen regelmäßigen fachlichen Austausch. FM war zwar schon lange Mitglied im GDV, trat für uns aber zunächst eher im Hintergrund in Erscheinung. Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert.
s+s report: Was sind die Eckpunkte der verstärkten Zusammenarbeit zwischen VdS und FM?
Frank Bieber (VdS): Die VdS-Errichteranerkennung für Feuerlöschanlagen gibt es bereits seit den frühen 1970er-Jahren. Damals wurde deutlich, dass die Qualität einer Löschanlage nicht allein von der Technik abhängt, sondern auch von ihrer Planung, Errichtung und Instandhaltung.
Deshalb werden VdS-anerkannte Errichter laufend überprüft. Dazu gehören unter anderem unangekündigte Baustellenkontrollen, Referenzanlagen und die Bewertung von Planungs- und Instandhaltungsleistungen. Für Versicherer war die Errichteranerkennung immer ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
Gleichzeitig benötigen Versicherer eine nachvollziehbare Grundlage, um die Wirksamkeit technischer Brandschutzeinrichtungen bewerten zu können. Aus diesem Anspruch heraus wurde bereits früh ein Bewertungssystem geschaffen, das heute im Facility Inspection Score weitergeführt wird. Vereinfacht gesagt handelt es sich um ein Instrument zur systematischen Bewertung der Qualität und Zuverlässigkeit von Brandschutzmaßnahmen.
Ludger Tegeler (FM): Genau hier gibt es viele Gemeinsamkeiten. Auch FM setzt auf mehrere Bausteine, die ineinandergreifen: technische Standards, die systematische Prüfung von Planungen und die Begleitung von Projekten durch FM Ingenieur*innen. Dadurch können Abweichungen frühzeitig erkannt und noch während der Umsetzung korrigiert werden.
Darüber hinaus sehen wir einen hohen Bedarf an Errichtern mit fundiertem FM Know-how. Das betrifft längst nicht nur durch FM versicherte Standorte. Weltweit werden zahlreiche Anlagen nach FM Anforderungen geplant und errichtet, ohne dass sie später bei FM versichert sind.
Deshalb hat VdS die Zusatzqualifikation FM für VdS-anerkannte Sprinkler-Errichter entwickelt. Sie baut auf der bestehenden Anerkennung auf und ergänzt diese um FM spezifische Inhalte, zusätzliche Qualifikationsanforderungen und praktische Erfahrungen mit Projekten nach FM Vorgaben. Das schafft für Betreiber, Errichter und Versicherer eine gemeinsame Qualitätsgrundlage.
Vielleicht erklärt das auch, warum FM in Deutschland heute deutlich sichtbarer ist als noch vor 20 Jahren. Mit den modernen Lagertechnologien, ESFR- und CMSA-Sprinklern sowie den eigenständigen FM Richtlinien hat die internationale Bedeutung der FM-Anforderungen stark zugenommen. Gleichzeitig ist FM Insurance Europe S.A. mit Sitz in Luxemburg als Mitglied des GDV fest im europäischen Versicherungsmarkt verankert.
Frank Bieber (VdS): Genau dabei unterstützen wir. Gemeinsam mit FM bieten wir spezielle Lehrgänge an, in denen die Besonderheiten von Projekten nach FM Anforderungen vermittelt werden. Unser Ziel ist es, Planern, Errichtern und Betreibern das notwendige Wissen für eine fachgerechte Umsetzung zu vermitteln.
s+s report: FM betrachtet den Brandschutz teilweise aus einer anderen Perspektive. Wo liegen dennoch die Gemeinsamkeiten?
Ludger Tegeler (FM): Über Unterschiede wird häufig gesprochen. Für mich ist aber viel interessanter, was uns verbindet.
Sowohl FM als auch VdS wollen Anlagen, die im Ernstfall funktionieren. Beide Organisationen verfolgen das Ziel, Sachschäden und Betriebsunterbrechungen möglichst zu vermeiden. Unterschiede gibt es teilweise in Methodik und Risikobetrachtung - nicht jedoch beim eigentlichen Ziel.
Als 100-%-Versicherer betrachten wir zusätzlich sehr intensiv die möglichen Auswirkungen eines Schadenereignisses auf den Geschäftsbetrieb unserer Kunden. Doch auch hier geht es am Ende darum, Risiken frühzeitig zu erkennen und wirksame Schutzmaßnahmen umzusetzen.
Frank Bieber (VdS): Dem kann ich nur zustimmen. Zuverlässige Brandschutzanlagen liegen im Interesse aller Beteiligten - von Betreibern und Planern bis hin zu Versicherern. Die VdS-Errichteranerkennung hat sich über viele Jahrzehnte als wirksames Instrument der Qualitätssicherung etabliert. Der hohe Erfolg von Sprinkleranlagen bestätigt diesen Ansatz eindrucksvoll.
s+s report: Wie sieht die Zusammenarbeit heute in der Praxis aus?
Ludger Tegeler (FM): FM Insurance Europe ist Mitglied im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Vor diesem Hintergrund war es naheliegend, die Weiterentwicklung der VdS-Errichteranerkennung für Projekte nach FM-Anforderungen aktiv zu unterstützen.
Wenn unsere Kunden in Deutschland qualifizierte Errichter gesucht haben, haben wir schon seit vielen Jahren auf die VdS-anerkannten Unternehmen verwiesen. Die Einbindung FM spezifischer Inhalte schafft nun eine noch bessere Grundlage für die Umsetzung hochwertiger Projekte.
Dazu kommt, dass es bereits heute Berührungspunkte zwischen den Regelwerken gibt. So erlaubt Anhang T der VdS CEA 4001 unter bestimmten Voraussetzungen die Anwendung von FM Data Sheets. Die aktuelle Zusammenarbeit knüpft also an bestehende Gemeinsamkeiten an und entwickelt diese konsequent weiter.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Berücksichtigung qualifizierter Errichter im Facility Inspection Score. Auch hier verfolgen FM und VdS letztlich dasselbe Ziel: verlässliche und wirksame Brandschutzanlagen als Grundlage für den Risikotransfer.
Frank Bieber (VdS): Die Entwicklung ist inzwischen sehr konkret. Aktuell verfügen weltweit 101 Firmen in 208 Gewerken über eine VdS-Errichteranerkennung für Feuerlöschanlagen. Davon betreffen 82 Anerkennungen den Bereich Sprinkleranlagen. Zwei Unternehmen haben bereits die FM-Zusatzqualifikation erhalten, weitere befinden sich im Anerkennungsverfahren. Das zeigt, dass das Konzept im Markt angenommen wird.
s+s report: Welche Themen stehen für FM und VdS künftig auf der Agenda?
Ludger Tegeler (FM): Ich glaube, künftig wird weniger die Frage nach Unterschieden im Mittelpunkt stehen. Viel wichtiger ist es, gemeinsame technische Grundlagen weiter auszubauen.
VdS und FM kommen aus unterschiedlichen historischen Entwicklungen. Betrachtet man jedoch die technischen Ziele, gibt es sehr viele Gemeinsamkeiten. Genau deshalb halte ich die heutige Zusammenarbeit für einen logischen und nachhaltigen Schritt.
Frank Bieber (VdS): Die Zusammenarbeit muss sich nicht auf Sprinkleranlagen beschränken. VdS verfügt über umfangreiche Kompetenzen in zahlreichen Bereichen des Brandschutzes und der Sicherheitstechnik. Deshalb sehe ich durchaus Potenzial für weitere gemeinsame Aktivitäten.
Ein besonders interessantes Feld ist das Risikomanagement. Die VdS-Risikoingenieure bewerten seit vielen Jahren industrielle und gewerbliche Risiken für Versicherer und zunehmend auch für Versicherungsmakler. Hier gibt es durchaus Anknüpfungspunkte für eine vertiefte Zusammenarbeit.
Außerdem führen wir derzeit Gespräche über mögliche Kooperationen im Bereich Rauch- und Wärmeabzugsanlagen.
Ludger Tegeler (FM): Rauch- und Wärmeabzugsanlagen nehmen innerhalb der FM Richtlinien traditionell eine andere Rolle ein als in einigen europäischen Regelwerken. Unabhängig davon erkennen wir ihre Bedeutung als Teil ganzheitlicher Brandschutzkonzepte ausdrücklich an.
Da viele europäische Hersteller derzeit nicht über ein FM Approval verfügen, prüfen wir gemeinsam mit VdS, wie bestehende Anerkennungen künftig berücksichtigt werden können. Die etablierte VdS-Systemanerkennung könnte dabei eine wichtige Grundlage sein. Welche Lösungen sich daraus ergeben, ist Gegenstand der laufenden Gespräche.
s+s report: Wie lautet aus Ihrer Sicht die Quintessenz der Zusammenarbeit?
Frank Bieber (VdS): Wir kommen aus unterschiedlichen Traditionen, verfolgen aber dasselbe Ziel: zuverlässigen und wirksamen Brandschutz.
Ludger Tegeler (FM): Genau. Am Ende geht es darum, technische Qualität sichtbar, nachvollziehbar und verlässlich zu machen.
Und das können wir wohl beide unterstreichen: Die Zusammenarbeit zwischen FM und VdS ist deshalb weit mehr als eine formale Kooperation. Sie schafft eine gemeinsame Grundlage für Qualität, Vertrauen und wirksamen technischen Brandschutz - zum Nutzen von Errichtern, Betreibern und Versicherern gleichermaßen.