Stromversorgung sichern: Was jahrzehntelange Schadendaten über Resilienz zeigen
Artikel

Stromversorgung sichern: Was jahrzehntelange Schadendaten über Resilienz zeigen

Veröffentlicht am • 09. September 2026


.
Die Energieerzeugung befindet sich im Wandel Künstliche Intelligenz und Rechenzentren Verkehr und Elektrifizierung Erneuerbare Energien. Laut dem Bericht Electricity 2026 der Internationalen Energieagentur (IEA) wird der weltweite Strombedarf zwischen 2026 und 2030 voraussichtlich um 3,6 % pro Jahr steigen. Zusammen erhöhen diese Entwicklungen die Komplexität und Belastung von Energieerzeugungssystemen weltweit.

Unter diesen Bedingungen eine zuverlässige Stromversorgung sicherzustellen, erfordert ein Höchstmaß an Präzision. Da Anlagen mit extremen Geschwindigkeiten und Temperaturen betrieben werden, bleibt den Betreibenden nur wenig Zeit, Probleme zu erkennen und darauf zu reagieren, bevor sich ein Ereignis zu einem größeren Schaden entwickelt.

In einer Zeit, in der der Spielraum für Fehler so gering ist wie nie zuvor, ist die Fähigkeit, Ausfälle vorherzusehen und zu verhindern, zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen der Energieerzeugung geworden.

Wie sich diese Herausforderungen bewältigen lassen, zeigt der aktuelle Bericht von FM: Energieerzeugung im Fokus: Schadentrends und prädiktive Analysen. Der Bericht stützt sich auf mehr als 70 Jahre Engineering-Expertise, Forschung und Schadendaten. Er untersucht, wo Schäden entstehen, warum sie auftreten und welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen können, um ihre Resilienz zu stärken.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen des Berichts zählen:

Die größten Risiken befinden sich oft innerhalb der Anlage

Wenn die meisten Menschen an Risiken in der Energieerzeugung denken, kommen ihnen häufig Naturgefahren wie Stürme, Überschwemmungen und schwere Unwetter in den Sinn. Die Untersuchungen von FM zeichnen jedoch ein überraschendes Bild: Einige der größten Risiken für Energieerzeugungsanlagen haben ganz andere Ursachen.

Mechanische und elektrische Ausfälle sind für mehr als 70 % aller Schäden im Bereich der Energieerzeugung verantwortlich und verursachen mehr als 80 % der daraus resultierenden jährlichen finanziellen Schäden. Ausfälle von Gasturbinen stellen die größte einzelne Ursache für Sachschäden dar. Gleichzeitig zählen Gasturbinen und Transformatoren zu den wichtigsten Ursachen von Betriebsunterbrechungen.

„Besonders auffällig war für uns das enorme Ausmaß der Schäden durch mechanische und elektrische Ausfälle“,” sagt Brian Palmer, Principal Engineer for Power Generation, der an der Entwicklung des Berichts beteiligt war und kürzlich im FM’ Sound Policy Podcast gesprochen hat.

Der Bericht beleuchtet die Ursachen dieser Schäden. Fehlende oder fehlerhaft funktionierende Sicherheitseinrichtungen, unzureichende Betriebsverfahren, Schwachstellen in der Anlagenauslegung sowie eine mangelnde Notfallplanung können dazu führen, dass aus einem gewöhnlichen Anlagenausfall eine kostspielige Betriebsunterbrechung wird.

Die Analyse zeigt, dass viele Ereignisse, die letztlich als Brandschäden eingestuft werden, ursprünglich mit einem mechanischen oder elektrischen Ausfall beginnen, der sich rasch zu einem größeren Schaden entwickelt.

„Ein mechanischer Ausfall beeinträchtigt das Schmieröl. Diese Erkenntnisse zeigen zugleich konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen auf. Das Schmieröl gerät in Brand. Dadurch entsteht ein deutlich größeres Ereignis, das noch schwieriger zu beherrschen ist“,” erläutert Palmer.

Zusammengenommen machen diese Erkenntnisse deutlich, wo konkrete Ansatzpunkte zur Risikominimierung liegen. Investitionen in die Zuverlässigkeit von Anlagen sowie die Stärkung technischer Schutzmaßnahmen und betrieblicher Prozesse können dazu beitragen, sowohl Sachschäden als auch Unterbrechung des Geschäftsbetriebs zu reduzieren.

Bessere Informationen verändern den Umgang mit Risiken

Mit der steigenden betrieblichen Komplexität nimmt auch die Transparenz zu. Unternehmen der Energieerzeugung verfügen heute über mehr Betriebsdaten als je zuvor. Die Fähigkeit, aus diesen Informationen in umsetzbare Erkenntnisse zu erlangen, wird zunehmend zu einem zentralen Faktor für Resilienz.

Der Bericht von FM zeigt, wie Engineering-Expertise, prädiktive Analysen und Erkenntnisse aus dem Betrieb zusammenwirken, um neu entstehende Risiken frühzeitig zu erkennen und die wirksamsten Maßnahmen zur Risikominderung zu priorisieren.

Jedes Jahr führen FM Ingenieur*innen weltweit mehr als 1.900 Standortbesuche in Energieerzeugungsanlagen durch und verbinden dabei Beobachtungen vor Ort mit jahrzehntelangen Schadendaten, Forschungserkenntnissen und neuen Anwendungen künstlicher Intelligenz. Dieser Ansatz unterstützt Unternehmen dabei, ihre Ressourcen dort einzusetzen, wo sie die größte Wirkung entfalten können. Die Analyse von FM zeigt, dass mehr als ein Viertel der Schäden beim Kunden auf lediglich 2 % der Standorte zurückzuführen war, die zuvor als Standorte mit dem höchsten Schadenpotenzial identifiziert worden waren. Dies verdeutlicht den Wert einer frühzeitigen Risikoidentifizierung und -priorisierung.

Der Bericht unterstreicht zudem die Bedeutung einer guten Vorbereitung der Anlagenbedienenden. Da Anlagen zunehmend digitalisiert werden und erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand gehen, bietet FM szenariobasierte Schulungen an, in denen Anlagenbedienende mit realistischen Situationen konfrontiert werden, die auf tatsächlichen Schadenereignissen in der Branche basieren. Die Teilnehmenden lernen, verborgene Schwachstellen zu erkennen und auf ungewöhnliche Betriebszustände schnell zu reagieren. Durch das Durchspielen solcher Szenarien gewinnen die Teams Sicherheit darin, Störungen frühzeitig zu erkennen und wirksam zu bewältigen.

Die Wiederherstellung des Betriebs zählt inzwischen zu den größten Herausforderungen der Branche

Mit den steigenden Investitionen in KI-Infrastruktur, Elektrifizierung und neue Erzeugungskapazitäten gerät die globale Lieferkette zunehmend unter Druck. Unternehmen konkurrieren immer häufiger um dieselben Turbinen, Transformatoren und andere kritische Komponenten, die sowohl für den Ausbau der Netzinfrastruktur als auch für die Wiederherstellung nach Anlagenausfällen benötigt werden. In Verbindung mit Engpässen bei Spezialmaterialien, Produktionskapazitäten und qualifizierten Fachkräften haben sich die Wiederbeschaffungszeiten erheblich verlängert.

Laut Palmer beträgt die Lieferzeit für Transformatoren inzwischen zwei bis vier Jahre. Die Wiederbeschaffungszeit für Gasturbinen hat sich von etwa einem Jahr auf drei bis fünf Jahre verlängert.

Diese Entwicklung erfordert ein Umdenken bei der Vorbereitung auf die Wiederherstellung des Betriebs. Zunehmend werden die tatsächlichen Kosten vieler Schäden nicht nur durch das Schadenereignis selbst bestimmt, sondern auch durch die lange Zeit, die für die Wiederaufnahme des Betriebs erforderlich ist.

Resilienz hilft Ihnen dabei, Risiken stets einen Schritt voraus zu sein

Eine zuverlässige Stromversorgung sicherzustellen, war noch nie so wichtig wie heute.

Der Bericht beschreibt konkrete und proaktive Maßnahmen, mit denen Unternehmen ihre Resilienz stärken und kostspielige Betriebsunterbrechungen reduzieren können:

  • Priorisieren Sie Inspektionen, Prüfungen und vorbeugende Instandhaltungsmaßnahmen für kritische Anlagen.
  • Stellen Sie sicher, dass Sicherheitseinrichtungen und Schutzsysteme ordnungsgemäß ausgelegt sind und instand gehalten werden.
  • Nutzen Sie prädiktive Analysen, um Schwachstellen zu identifizieren.
  • Erstellen Sie einen schriftlichen Verfügbarkeitsplan für betriebswichtige Anlagen mit langen Wiederbeschaffungszeiten.
  • Bewerten Sie Änderungen an Anlagen, Betriebsverfahren und Betriebsbedingungen.
  • Investieren Sie in die Schulung von Anlagenbedienenden und in szenariobasierte Übungen.
  • Optimieren Sie die Planung und Durchführung von Heißarbeiten, um Brandrisiken zu reduzieren.

Wie Palmer betont: „Das Ziel ist es, ungeplante Ausfallzeiten zu vermeiden.“

Lesen Sie den vollständigen Bericht Energieerzeugung im Fokus: Schadentrends und prädiktive Analysen auf der Website von FM.